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Die Artillerie-Schießschulen in Jüterbog


Der entscheidende Grundstein für Jüterbogs Rolle als eine der bedeutendsten Militärstädte Deutschlands wurde 1890 gelegt. Denn damals kam die Berliner Artillerie-Schießschule in die Stadt.


Da zum Zeitpunkt des Umzugs das Kasernement von Jüterbog 2 noch nicht fertig war, mußte das Personal zunächst Bürgerquartiere beziehen. Die vorläufige Unterbringung der Unteroffiziere und Mannschaften der Fußartillerie erfolgte in Privatquartieren. Die Geschäftszimmer und Unterrichtsräume waren in der Luisenschule.

Entstanden war die Preußische Artillerie-Schießschule im Jahre 1867 auf Initiative des Generals von HINDERSIN. Am 4. Juli erfolgte durch Armee-Kabinetts-Order die Begründung der Schule und ab 1. Oktober gleichen Jahres fand bereits der erste Kursus statt. Die Schule verfügte über eine Lehrbatterie, die ihre Geschütze beim Tegeler Schießplatz untergestellt hatte.

Kurz vor der Verlegung nach Jüterbog erfolgte am 20. Februar 1890 eine Kabinettss-Order, daß die bisherige Artillerie-Schießschule in eine Schießschule der Feldartillerie und eine der Fußartillerie zu trennen sei. Während die Feldartillerie die traditionelle Gliederung in Batterie und Abteilung beibehielt, wobei zwei Regimenter der Feldartillerie zu einer Brigade zusammengefaßt wurden, galten bei der Fußartillerie Ordnungsbegriffe der Infanterie, nämlich die Kompanie und das Bataillon. Infanteristisch war sie zunächst mit dem Zündnadelgewehr und dann später mit der Jägerbüchse bewaffnet.

Mit einer Armee-Kabinetts-Ordre vom 14. März 1889 erfolgte die Bildung einer gesonderten Inspektion der Feldartillerie, der die Leitung und Beaufsichtigung der artilleristischen und technischen Ausbildung oblag. Die Artillerie-Schießschule erhielt mit Order vom 28. März eine Erhöhung des Etats und eine Verstärkung bei der Feldartillerie um eine 2. Lehrbatterie und bei der Fußartillerie um eine 2. Lehrkompanie.

Berlin war in den so genannten Gründerjahren mit dem neuen Status als Reichshauptstadt so enorm angewachsen, weshalb gerade für die Artillerie mit ihrer gefährlichen Schießtechnik kein Platz mehr war. Daher gab es die Festlegung, die Feld- und Fußartillerie-Schießschulen nach Jüterbog zu verlegen. Der Umzug nahm einige Zeit in Anspruch. Während am 1. April 1890 offizieller Einzug in Jüterbog gehalten worden ist, schloß der letzte Ausbildungslehrgang der Feldartillerie-Offiziere an der (noch) vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule Berlin erst am 31. März 1892 ab. Mit der feierlichen Namensverleihung „Feldartillerie-Schießschule“ und „Fußartillerie-Schießschule“ am 24. Dezember 1890 beginnt die separate Geschichte der beiden Schießschulen.

Zum besseren Verständnis der Unterteilung in Fuß- und Feldartillerie-Schießschulen hier ein Hinweis zur Gliederung der Artillerie in der damaligen Zeit:

Die Artillerie des Kaiserlichen Heeres war ab 1890 in die Feldartillerie und die Fußartillerie gegliedert. Neben dem Reichsrevolver war die Handfeuerwaffe der Artillerie zunächst das Zündnadelgewehr und später die Jägerbüchse.

Die Feldartillerie wurde in bespannte und reitende Artillerie unterschieden. Die Truppe war in den klassischen Formen der Artillerie, also Batterie und Abteilung sowie Regiment gegliedert. Wobei zwei Regimenter der Feldartillerie zu einer Brigade zusammengefasst wurden. "Die Feldartillerie ist bestimmt, die Feldarmeen eines Heeres zu begleiten und bedarf, da ihre Ziele, wenn auch nicht stets lebende, doch vorwiegend solche von geringer Widerstandsfähigkeit sind, nur Geschütze und Geschosse von geringerem Gewicht."

Die bespannte (fahrende) Artillerie war die Standardform der Artillerie. Die Geschütze wurden von Pferdegespannen gezogen, die aus dem Sattel vom Fahrer gelenkt wurden. Die sieben Kanoniere der Geschützbedienungen fuhren aufgesessen auf den Geschützen mit (drei auf der Protze, zwei auf den Achssitzen), bzw. folgten auf dem Munitionswagen. Drei Batterien bildeten hier eine Abteilung.

Die reitende Artillerie war die Artillerie der Kavallerie, der "schnellen Truppen". Die Geschütze waren leichter und die Bedienungen saßen nicht auf dem von Pferden gezogenen Geschütz, sondern waren beritten. Zur Geschützbedienung kamen noch drei Pferdehalter hinzu. Eine Abteilung bestand in der Regel aus zwei Batterien der reitenden Artillerie. Statt eines Seitengewehrs führten die reitenden Kanoniere einen Schleppsäbel.

Die Fußartillerie wurde in Festungs- und Belagerungsartillerie unterschieden. Bei dieser Form der Artillerie galten die Ordnungsbegriffe der Infanterie, also Kompanie und Bataillon.

Die Festungsartillerie war die "stationäre" Artillerie der eigenen Festungen des Kaiserreiches.

Die Belagerungsartillerie verfügte über schwere Kanonen und Mörser zur Beschießung gegnerischer fester Plätze.

Die Feldartillerie-Schießschule

„Die Ranglisten des Preußischen Heeres vermerken, daß sich die Artillerie-Schießschule Berlin ab dem 1. April 1890 in Jüterbog befindet. Ihr Kommandeur war in diesem Jahr Oberstleutnant v. REICHENAU, der auch in den Folgejahren, nach der Ausgliederung der Fußartillerie-Schießschule, die Feldartillerie-Schießschule führte.

Der Feldartillerie-Schießschule waren folgende Aufgaben zugewiesen:

die Ausbildung sämtlicher Offiziere dieser Waffengattung, einschließlich der Heere von Bayern, Sachsen und Württemberg,

die Weiterbildung der Lehrtruppenteile,

die Weiterentwicklung der Schießkunst, wozu auch die notwendigen Versuche auszuführen waren und

die Heranbildung von Lehrern für die Schule der Feldartillerie.

Zur Erfüllung der genannten Aufgaben war der Schule folgendes Offizierskorps zugewiesen: ein Oberst als Kommandeur, ein Adjutant, zwei Stabsoffiziere, sowie vier weitere Stabsoffiziere und zwölf Hauptleute als Lehrer. Dazu gab es in der Lehrabteilung einen Oberstabsarzt, einen Assistenzarzt, zwei Zahlmeister, einen Oberroßarzt und einen Roßarzt.

Die Ausbildung umfaßte „bei den älteren Offizieren das Schießen und die taktische Verwendung der Waffe, soweit sie bei Einnahme der Feuerstellung in Betracht kommt, die Beurteilung und Behandlung des Materials und die allgemeine Kenntnis der Feldartillerie anderer Armeen.“ Schulungsinhalt für die Offiziere im Leutnantsrang waren „alle für den Gebrauch der Geschütze notwendigen wissenschaftlichen und praktischen Kenntnisse, die Tätigkeit des Zugführers, die Leitung des Feuers einer Batterie und die allgemeine Kenntnis der Feldartillerie anderer Armeen.“ Das Lehrprogramm für die Offiziere des Beurlaubtenstandes umfaßte die Tätigkeit des Zugführers, die Leitung des Feuers einer Batterie und die Beurteilung des Materials beim Schießen.

Der Inspekteur der Feldartillerie war in allen Personalangelegenheiten und Fragen des Dienstbetriebes der Vorgesetzte der Schule. Während die Schule zum Dienstbereich des Generalkommandos des Gardekorps gehörte, war in Garnisonangelegenheiten das III. Armeekorps zuständig.

Am 1. Oktober 1890 bekam die Schule eine weitere (dritte) Lehrbatterie, womit die Lehrtruppe der Feldartillerie zur Abteilungsstärke anwuchs. Schon am 1. Oktober 1893 kam eine komplette zweite Abteilung hinzu. Die I. Lehrabteilung bezog als erste Quartiere in Jüterbog 2, die II. Abteilung mußte sich noch bis zur Fertigstellung der weiteren Kasernen mit Bürgerquartieren in der Stadt Jüterbog begnügen.

1895 übernahm Oberst SCHMIDT das Kommando über die Feldartillerie-Schießschule. Im gleichen Jahr ist eine III. Lehrabteilung aufgestellt worden, wobei alle drei Abteilungen ab 1895 von Major PAPE geführt wurden. Die Unterbringung der III. Abteilung erfolgte in Altes Lager. 1898 wurde Oberstleutnant SCHUCH Kommandeur der Lehrtruppen und im nächsten Jahr Major PELZER.

Im Jahre 1900 trat mit Generalmajor v. WITTKEN erstmals ein General an die Spitze der Schule. Die drei Lehrabteilungen sind gleichzeitig zu einem Lehrregiment zusammengefaßt worden, das Oberstleutnant KETTEMBEIL als Kommandeur erhielt. Das Lehrregiment nahm gemeinsam mit dem Kommandeur der Feldartillerie-Schießschule regelmäßig an der großen Herbstparade und den Manövern des Gardekorps teil.

Die Zusammensetzung der Schule bestand um die Jahrhundertwende aus „dem Stabe (Kommandeur, Adjutant, die Stabsoffiziere beim Stabe, die Feuerwerksoffiziere und das Unterpersonal) und dem Lehrregimente. Das Offizierskorps wird durch Versetzung aus der gesamten Feldartillerie ergänzt; der Kommandeur der Schule ist ein General oder Stabsoffizier der Feldartillerie mit der Disziplinargewalt und Urlaubsbefugnis eines Brigadekommandeurs; dem Lehrregiment gegenüber hat er die Stellung eines Brigadekommandeurs.“

Von 1901 bis 1903 hatte Generalmajor KEHRER das Kommando über die Feldartillerie-Schießschule. 1904 stieg der bisherige Führer des Lehrregiments, Oberst KETTEMBEIL, zum Kommandeur der Schule auf, das Lehrregiment übernahm Oberstleutnant v. RENESSE. KETTEMBEIL wurde 1906 Generalmajor und v. RENESSE Oberst.

KETTEMBEIL, nach dem in Jüterbog 2 ein Weg benannt worden ist, führte gut fünf Jahre die Feldartillerie-Schießschule. Nach den Ranglisten des Jahres 1908 war der Adjutant des Kommandeurs Hauptmann SCHUMANN und Chef des Stabes Oberstleutnant RUDOLPH. Zum Stab gehörten des weiteren die Majore GLOKKE und GILSA. Acht Majore und zwölf Hauptleute dienten als Lehrer der Schießschule, wobei auffällt, daß hier - wie allgemein bei der damaligen Artillerie - der größte Teil der Offiziere bürgerlicher Herkunft war. Das stand im Gegensatz zum übrigen Kaiserlichen Heer, in dem der Offiziersstand die Domäne des Adels war. Es „galt die Artillerie den standesbewußten Junkern der Kavallerie und der Garde-Infanterie am Ausgang des 19. Jahrhunderts immer noch als jene Truppe, in der man die Bürgerlichen als Berufsoffiziere gerade noch dulden mochte“. Aber genau diese Männer bürgerlicher Herkunft brachten in der Regel die naturwissenschaftlichen Kenntnisse und technischen Fähigkeiten mit, die die Artillerie erforderte.

Ab 1908 wurde das Lehrregiment von Oberst KÜHNE befehligt. Ihm unterstanden weitere 45 Offiziere. Zum Offizierskorps der Schule gehörten im gleichen Jahr Oberstabsarzt Dr. GRALOW, Oberarzt Dr. WIEDEL, Oberstabsveterinär HANDSCHUH, die Oberveterinäre GRAENING und JOCKS sowie der Oberzahlmeister WOHLENBERG und der Zahlmeister von GAHLEN.

1909 war die Feldartillerie-Schießschule wie folgt gegliedert:

Der Stab bestand neben dem Kommandeur und seinem Adjutanten aus zwei „Stabsoffizieren beim Stabe“, zwei Stabsoffizieren und 15 Hauptleute als Lehrer sowie drei Feuerwerks-Offizieren. Dazu kam noch das Unterpersonal.

Die Abteilung A wurde von einem Stabsoffizier beim Stabe geführt und organisierte die Lehrgänge für ältere Offiziere. Die zur Teilnahme kommandierten Offiziere mit Burschen und Pferden waren verpflegungsmäßig der I. Lehrabteilung zugeteilt.

Die Abteilung B wurde ebenfalls von einem Stabsoffizier beim Stabe geführt. Sie war zweigeteilt. Der eine Teil befaßte sich mit Lehrgängen für Leutnants, der andere mit Lehrgängen für Offiziere des Beurlaubtenstandes. Die II. Lehrabteilung versorgte die kommandierten Leutnants nebst Burschen und Pferden, die III. Lehrabteilung die einberufenen Offiziere des Beurlaubtenstandes.

Das Lehrregiment besaß als Stab den Kommandeur, den Adjutanten, einen Feuerwerksoffizier und zusätzliches Unterpersonal. Das Regiment war in drei Lehrabteilungen gegliedert.

Die Burschen der kommandierten Offiziere waren während der Lehrgangsteilnahme ihrer Offiziere deren Disziplinargewalt entzogen und der Schule unterstellt. In Burschen-Batterien zusammengefaßt, hatten sie am Geschützexerzieren, am Stalldienst und Reinigungsarbeiten des Lehrregiments teilzunehmen.

Der Geschäftsverteilungsplan der Schule sah für den Adjutanten u. a. die Befehlsausgabe, die Postbearbeitung und die Verwaltung der Umdruckpresse vor. Sein Aufgabenbereich nannte sich Sektion I. Die Sektion II hatte der Zahlmeister der I. Lehrabteilung. Dazu gehörte die Verwaltung des Haushalts der Schule (außer der Schießübungsgelder) und der Druckerei. Der Parkverwalter, ein Feuerwerks-Offizier, führte die Sektion III. Dazu gehörten die Schießbefehle, der Zielbau und die Absperrungen des Schießplatzes. Ein weiterer Feuerwerks-Offizier war der Zielbau- und Sicherheitsoffizier. Er führte nur das Feuerwerksunterpersonal und beaufsichtigte das Sprengkommando. Der die Sektion III a führende Laboratoriumsverwalter, ebenfalls Feuerwerksoffizier, leitete die Munitionsarbeiten und verwaltete das Artilleriegerät.

1910 wurde Oberst KÜHNE „mit der Führung der Schule beauftragt“ und ab dem nächsten Jahr Kommandeur der Schule. Sein Nachfolger beim Lehrregiment war Oberstleutnant MÜLLER, der 1911 Oberst wurde.

1913 erscheint wieder ein neuer Kommandeur des Lehrregiments: Oberstleutnant MERTENS, der 1914 zum Oberst befördert wurde. Kurz vor Kriegsbeginn im Jahre 1914 übernahm Generalmajor Graf v. SCHWEIDNITZ und Krain Frhr. v. KAUDER das Kommando über die Feldartillerie-Schießschule. Er war Flügeladjutant Seiner Majestät des Kaisers. Während seiner Zeit gehörten zum Stab der Schule die Oberstleutnante NESSEL und von RABENAU sowie Hauptmann VOGT. Adjutant des Kommandeurs war Hauptmann BLASIUS. Als Lehrer dienten die Majore ISBERT, GOLLING, ROSTOCK, WARNECKE und GUHL, wie die Hauptleute MÜLLER, von OHNESORGE, HABELMANN, HERMANN, WESTRÖM, SPRENGEL, RITTERSHAUS, WEIGELT, GAEDE, von WINTERFELD und von BREDOW.

Mit Ende des 1. Weltkrieges endet auch die Geschichte dieser Spezial-Schule.

[1] Meyers Lexikon von 1879. Der Beitrag zur Geschichte der Feldartillerie-Schießschule folgt im übrigen H. Schule „Geschichte der Garnison Jüterbog „Jammerbock“, Osnabrück 2000, wo auch weitere Quellenangaben zu finden sind.

 


Der Krieg 1870/71 hatte eindrucksvoll die Überlegenheit des Hinterladers bei der Artillerie bewiesen. Im Ergebnis dieser Erfahrungen gab es bei der Feldartillerie des deutschen Heeres Ende des 19. Jh. ein verbessertes Feldgeschütz Mod. 73. Die Anfangsgeschwindigkeit der Geschosse war erhöht, die Flugbahn gestreckter und die Treffsicherheit wie die Wirkung verbessert. Gegen ungeschützte Ziele wurden auf größere Distanz Schrapnells eingesetzt, die mit Brennzünder bei 4 500 m krepierten und ohne auf 6 500 m ihre Wirkung erzielten. Auf kurze Distanzen, z. B. zur Selbstverteidigung der Batterien, kam die Kartätsche zum Einsatz, deren Bleikugeln maximal 300 m weit wirkten. Granaten mit Aufschlagzünder hatten ein Gewicht von 7,5 Kg und eine Reichweite bis 6500 m.

  • Feldart_C73
Die schwere Feldkanone C/73 ist in allen deutschen Truppenkontingenten im Jahre 1874 als Hauptbewaffnung der Feldartillerie eingeführt worden und zwar als "schwere" im Kaliber 9 cm für die fahrenden Batterien und als "leichte" Feldkanone im Kaliber 8 cm für die reitenden Batterien. Das Bild zeigt Protze und Geschützlafette als Transportgespann. Der Rundkeilverschluß aus Gußstahl und der gasdichte Abschluß waren neue Merkmale dieser Waffe. Die C/73 wog als schwere Feldkanone 1200 kg.
  • Feldart_C7388_
Geschützlafette und Protze der Feldkanone C/73/88. Mit Einführung dieser Waffe, deren Rohr und Verschluß der Vorgängerversion C/73 entsprach, übernahmen auch die reitenden Batterien das Kaliber von 9cm. Das Geschütz hat eine Masse von 1055 kg für fahrende und 980 kg für reitende Batterien.

 

Vor der Jahrhundertwende ist das Geschütz 73/88 von dem 73/91 abgelöst worden.

Um die Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg war die Feldartillerie in Preußen (einschließlich Bayern und Württemberg) mit einem dunkelblauen Waffenrock mit roten Vorstößen und gelben Knöpfen bekleidet. Der Kragen und die „schwedischen“ Ärmelaufschläge hatten schwarze Litzen, bei der Garde (und damit der Schießschule) waren die Litzen Gelb. Der Haarbusch des mit Schuppenketten verzierten Paradehelms war bei den Angehörigen der Schule wie bei allen Gardisten weiß.

Die Soldaten der Feldartillerie trugen eine Schulterklappe mit einer flammenden Granate. Und zwar die Fahrenden Abteilungen eine runde Granate mit züngelnden Flammen und die Reitenden Abteilungen eine zylindrische Granate mit Führungsringen und z. T. eine Flamme an der Spitze. Die Farben der Schulterklappen waren nicht einheitlich. So hatte das 1. Garde Feldartillerie-Regiment rote Granaten auf weißem Grund, das 2. Garde Feldartillerie-Regiment gelbe Granaten auf rotem Grund, das 3. Garde Feldartillerie-Regiment rote Granaten auf gelbem Grund. Bei den Linienregimentern gab es eben solche Vielfalt. So war beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27 die Granate rot auf blauem Grund und beim Regiment Nr. 35 eine rote Granate auf gelbem Grund. Dazu konnte zum Beispiel eine Krone kommen wie bei dem Feldartillerie-Regiment Nr. 14, sowie verschiedene Monogramme und zumeist die Nummer des Regiments.

  • Feldart_Schulter
Die Lehrtruppe der Feldartillerie-Schießschule trug zunächst gelbe Granaten auf rotem Grund, wie oben unterschieden nach Fahrenden und Reitenden Abteilungen. Im Zuge der Übernahme in die Garde bekam die Lehrtruppe das Monogramm "FAS" auf die Schulterklappen, dazu eine kleinere Granate am Fuß des Monogramms.

Foto mit freundlicher Genehmigung Collection Chip Minx
  • FAS_Schulterklappe_b
Detailfoto eines Waffenrocks eines Kanoniers der Feldartillerie-Schießschule Jüterbog. Am Kragen die Gardelitzen, welche die Zugehörigkeit zur Kaiserlichen Garde zeigen sowie das Monogramm FAS der Schule mit der flammenden kugelförmigen Granate für die fahrende Feldartillerie.
  • FAS_Adlerknopf_b
Die Adlerknöpfe demonstrieren, dass der Träger zu den Lehrtruppen der FAS gehörte bzw. einen Lehrgang an der Schule besucht hat.
  • FAS_1905_1907_nanninga2
Nebenstehendes Foto zeigt den ehemaligen Besitzer des Uniformrockes. Zweiter Soldat von links ist Reinhard Nanninga aus Holtland/Ostfriesland, der von 1905 bis 1907 beim Stammpersonal des 1. Lehr Regt. d. FAS Dienst tat.

Die letzten drei Fotos mit freundlicher Unterstützung von Hinrich Dirksen aus Ostfriesland
  • Feldart_Batterie im Feuer

 

Geschützexerzieren der Feldartillerie auf dem Schießplatz. 
  • Feldart_Schiessch._IVLehrgang 1909
Das Foto zeigt die Teilnehmer vom I. Lehr-Kursus 1902/03 für Offiziere des Beurlaubtenstandes der Feldartillerie-Schießschule
  • Feldart_Schule_1902_03_b
Das Foto zeigt die Teilnehmer vom IV. Lehrgang 1909/10. Schießabteilung 7 der Feldartillerie-Schießschule Jüterbog


Die Fußartillerie-Schießschule

Der erste Kommandeur der neu gegründeten Spezialschule der schweren Artillerie wurde 1891 Oberstleutnant v. RAUCH. Für die Offiziere der Fußartillerie des Kaiserreichs war im Gegensatz zur Feldartillerie der Besuch der Schießschule von Anfang an obligatorisch. Die Grundausbildung dauerte ein Jahr und konnte bis zu vier Jahre fortwähren.

Der Fußartillerie-Schießschule Jüterbog waren folgende Aufgaben gestellt:

1. Förderung der Schießausbildung der kommandierten Offiziere und Unteroffiziere (aus der gesamten deutschen Armee),

2. Heranbildung von Lehrern für die Schießschule und die Truppe,

3. Weiterentwicklung der Schießkunst auf Grund eigener Erfahrungen und der Fortschritte fremder Artillerien durch die

Offiziere des Stammes,

4. Ausbildung des Lehrbataillons,

5. Ausführung von Versuchen mit dem Geräte und zu seiner praktischen Verwendung.

Die oberste Leitung für alle Personal- und Dienstbetrieb-Angelegenheiten der Schule hatte die Generalinspektion der Fußartillerie. Der folgte als nächste vorgesetzte Waffenbehörde die Fußartillerieinspektion. Wenn auch die Schule zum Dienstbereich des Generalkommandos des Gardekorps gehörte, so war bezüglich der Garnisoneinrichtungen das Generalkommando des III. Armeekorps zuständig.

Die Fußartillerie-Schießschule besaß bei ihrer Gründung in Jüterbog zwei Lehrkompanien. Die Lehrtruppe wurde dann 1893, ebenso wie bei der Feldartillerie, um eine weitere Kompanie aufgestockt. Es erhielten die Lehrkompanien analog der Feldartillerie-Schießschule die Gardeuniform und das Monogramm „F.A.S.“ auf den Schulterstücken. Sie entsprach damit den unberittenen Mannschaften der Feldartillerie, also schwedische Ärmelaufschläge mit ebenfalls gelben Litzen, Schuppenketten am Helm und weißem Haarbusch, weißes Lederzeug. Unterschiedlich waren jedoch die Schulterklappen, sie waren bei der Fußartillerie-Schießschule weiß. Die Bespannungsabteilungen hatten Reithosen, hohe Stiefel wie Dragoner und einen Faustriemen wie die Kavallerie. Die Kanoniere wurden gleichzeitig mit einem Karabiner statt der bisherigen Jägerbüchse ausgerüstet.

Bis in den ersten Weltkrieg hinein galt für die Ausbildung der Reservisten der Fußartillerie (Fßa) folgende Regel: „Offiziere und O.A.d.B. werden alljährlich von ihrem Bezirkskommando über ihre Bereitwilligkeit und Abkömmlichkeit zu einer Übung befragt. Außer zum Truppenteil, wo die Übung so gelegt wird, daß sie die Schießübungszeit in sich begreift, können diese Übungen bei der Fßa-Schießschule oder bei einem der alljährlich im Oktober auf den Fßa-Schießplätzen gebildeten Reserve-Übungs-Regimenter (...) abgeleistet werden.“ Unteroffiziere des Beurlaubtenstandes wurden 14 Tage vor den Übungsmannschaften eingezogen und dabei in besonderen Unteroffiziers-Übungs-Batterien extra geschult. Von den drei Pflichtübungen der Reserveoffiziere sollte möglichst eine an der Jüterboger Fußartillerie-Schießschule abgeleistet werden. Landwehroffiziere konnten ihre Beförderungsübung bei der Schießschule, aber auch bei ihrem Regiment ableisten. Die Sekondeleutnants der Fußartillerie erhielten Ende des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit den Offizieren des Ingenieurkorps ihre notwendigen Kenntnisse an der Vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule Berlin vermittelt.

Die Bewaffnung der Fußartillerie bestand kurz vor der Jahrhundertwende einmal aus Kanonen als Flachbahngeschütze. Dazu gehörten die schwere 12cm-Kanone und die lange 15cm-Kanone. Zum anderen hatte die Fußartillerie Haubitzen und Mörser als Steilfeuergeschütze. Hauptgeschütz der Belagerungsartillerie war die 15cm-Stahlhaubitze. Der 21 cm-Mörser mit Stahlseele galt „als schweres Wurfgeschütz von sehr bedeutender Wirkung“, was auch bei einem Wirkungsschießen auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog beeindruckend demonstriert wurde.

  • Fussart_Kanone_15cm
Das Foto stammt aus dem Nachlass eines Fotografen aus Altes Lager und wurde auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog aufgenommen. Zu sehen ist die "Lange 15cm Kanone", eine 1891 eingeführte Strukturwaffe der Fußartillerie. Obwohl schon veraltet wurde sie noch im Ersten Weltkrieg eingesetzt, sie verschoss Schrapnells und Langgranaten (42,3 kg), max. Schußweite mit Aufschlagzünder 10 000 m, mit Brennzünder 8 200 m, Vo 495 m/s, Rohrgewicht 3 365 kg.
  • Fussart_9cm_Feldkanone

Die 9cm Feldkanone der Festungs- und Belagerungsartillerie hatte eine besondere Lafette, die es Dank eines größeren vertikalen Schwenkbereichs erlaubte, von Mauern und Wällen herab spitze Winkel zu bestreichen.

 

  • Fussart_Moerser_21cm
Der 21cm-Mörser war bis zur vorigen Jahrhundertwende die schwerste Waffe der Fußartillerie gegen befestigte Ziele. Zunächst als Mörser C/70 eingeführt hatte die Waffe ein Bronzerohr und Holzlafette. Die 146,6 kg schwere Sprenggranate (Vo 290 m/sec.) kam 4200 m weit, die 79,1 kg schwere Variante erreichte 6200m. Da die Holzlafette den Anforderungen der kampfwertgesteigerten Waffe nicht mehr entsprach, wurde mit der C/71 eine Stahllafette eingeführt, die schließlich auch ein Geschützrohr mit Stahlseele trug.





Weiterhin zählten zur Fußartillerie neben den Belagerungsgeschützen auch die artilleristischen Waffen innerhalb der Festungen. In den Kalibern 9, 12, 15 und 21 cm gab es dort Flachbahngeschütze. Steilfeuergeschütze (Mörser) wurden in den Kalibern 15 und 21 cm eingesetzt. Und zur Bekämpfung anstürmender Infanterie gab es Kartätschgeschütze in Form der 3,7cm-Revolverkanone, ein 5cm-Schnellfeuergeschütz und eine 5cm-Kanone.

Ab 1894 kommandierte Oberstleutnant GUNKEL die Schule. Die drei Lehrkompanien sind ab 1895 zu einem Lehrbataillon unter Major BEHRENS zusammengefaßt worden. 1897 erhielt Oberstleutnant BOSE die Befehlsgewalt über die Fußartillerie-Schießschule und behielt sie bis 1899, von dann an Major NAUSESTER. In demselben Jahr wurde Major POSER Führer des Lehrbataillons. Dies blieb er nur ein Jahr. Von 1900 bis 1903 hatte Major BRANDT das Kommando über das Lehrbataillon.

Um 1900 bestand die Fußartillerie-Schießschule „aus dem Stabe mit den Lehrern, dem Stabe des Lehrbataillons und den drei Lehrkompagnien; der Kommandeur hat den Rang, die Gebührnisse, Disziplinarstraf- und Urlaubsbefugnisse eines Regimentskommandeurs. Der Bataillonskommandeur besorgt die kriegsmäßige Ausbildung des Lehrbataillons und die Aufsicht über die Kassenverwaltung.“ Über die Militärgerichtbarkeit an der Schule ist ausgeführt: „Die niedrige hat der Kommandeur der Schule, die niedrige in der Berufung und die höhere 1. Instanz der Kommandeur der 1. Garde-Infanterie-Division, die höhere in der Berufung der kommandierende General des Gardekorps“.

1903 gab es wieder einen grundlegenden Wechsel in der Führung der Schule. Oberst LABES wurde Kommandeur der Schule und Major BREUSING Führer des Lehrbataillons. Doch beide blieben nur bis Ende 1904, denn ab 1905 kommandierten Oberst BEHRENS die Schule und Major POHL das Lehrbataillon. Dieser kurzzeitige Wechsel setzte sich fort. 1906 war Oberstleutnant WEHRIG Kommandeur der Schule und Major RICHTER des Lehrbataillons. 1908, als viele Führungspositionen in der Jüterboger Garnison ausgetauscht wurden, übernahm Oberst STEINMETZ das Kommando der Schule und Major KIPPING das des Lehrbataillons. Ihm zur Seite standen die Hauptleute SCHNEIDER, WERBER, NOTHNAGEL und BENSCH. Weitere Offiziere in den Lehrbatterien waren die Oberleutnante GERHARD, MAUSON, WITTE, ROH, LENSSEN, NONNE und SCHERRER sowie die Leutnants HEYDENREICH, BIERMANN, EVERS, LAENGE, AMMON und DREES. Ferner gehörten Stabsarzt Dr. BARNACK und Zahlmeister BAUTZ zur Fußartillerie-Schießschule. Außerdem war Oberleutnant NONNE für die Bespannungsabteilung zugeteilt. Major KIPPING wurde 1910 von Major BLIESER abgelöst, dieser 1911 wiederum von Major RICHTER und ab 1913 bis zum Kriegsbeginn führte Oberst GIRSCHER die Lehrtruppe der Fußartillerie. Ähnlich wie bei der Feldartillerie-Schießschule trat auch an die Spitze der Fußartillerie-Schießschule ein General mit bekanntem Namen: Generalmajor v. ZIETHEN.

Die Soldaten der Lehrtruppe der Fußartillerie-Schießschule trugen zunächst eine Schulterklappe mit gekreuzten flammenden Kanonenrohren. Die abgebildeten Schulterklappen sind ein Beweis für die Vielfalt und den Formenreichtum, der auch innerhalb einer Waffengattung beim Kaiserlichen Heer bestanden hat. Das liegt hauptsächlich darin begründet, daß die Uniformvorschriften nur sehr allgemein gehalten waren und an allen Standorten bei den verschiedenen Schneidern individuelle Anfertigungen erfolgten. Ebenso wie bei der Feldartillerie-Schießschule so bekam auch die Fußartillerie-Schießschule in Jüterbog im Zuge der Übernahme in die Garde das Monogramm "FAS" auf die Schulterklappen, die nun einheitlich weiß mit roter Schrift und roten Granaten waren.

  • Fussart_Schulter


Foto mit freundlicher Genehmigung Collection Chip Minx

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges wurde die Unterscheidung zwischen Feld- und Fußartillerie aufgegeben, wodurch auch die Funktion einer Spezialschule für die Fußartillerie unnötig wurde. Sie ist mit der Feldartillerie-Schießschule in der Artillerieschule der Reichswehr aufgegangen.